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Medizin

Metastasiertes Analkanalkarzinom: Fortschritt durch Immuntherapie

Dr. rer. nat. med. habil. Eva Gottfried

Metastasiertes Analkanalkarzinom: Fortschritt durch Immuntherapie
© Juan Gärtner - stock.adobe.com
Die Phase-III-Studie POD1UM-303/InterAACT 2 untersuchte den PD-1-Inhibitor Retifanlimab als Zusatz zur Standardchemotherapie Carboplatin/Paclitaxel bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Plattenepithel-Analkanalkarzinom (SCAC). Mit Erreichen des Studienendpunkts wurde auf dem diesjährigen Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Barcelona ein möglicher neuer Standard präsentiert.
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Kombination aus Standard-CT und Immuntherapie bei metastasiertem SCAC

Plattenepithel-Analkarzinome (SCAC) sind selten und in 89-100% mit Hochrisiko (HR)-HPV-Typen assoziiert (1). Auch wenn inzwischen ein Großteil der Patient:innen mit Strahlenchemotherapie und ggf. Salvagetherapie kuriert werden können, findet sich in 15-20% der Fälle ein metastasiertes Karzinom. Bei inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem SCAC wird bisher als Erstlinientherapie laut Leitlinie (1) Carboplatin/Paclitaxel bevorzugt, was ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 8,1 Monaten und ein Gesamtüberleben (OS) von 20 Monaten erbringt. Nachdem in den letzten Jahren kleinere Studien bereits ein gutes Ansprechen von Plattenepithelkarzinomen auf Immuntherapie zeigen konnten, hat nun die Phase-III-Studie POD1UM-303 (InterAACT 2) mit Retifanlimab als Zusatz zur Standardtherapie ihren Endpunkt erreicht. Die Ergebnisse mit verlängertem PFS und OS könnten die gängige Praxis durch Zusatz von Immuntherapie zur Chemotherapie verändern (2, 3).

Retifanlimab: PFS mit Delta-Vergrößerung über die Zeit

Die Studie POD1UM-303 vergleicht Carboplatin/Paclitaxel ohne und mit Retifanlimab, einen PD-1-Inhibitor, der bisher in Europa nur für das metastasierte Merkelzellkarzinom zugelassen ist (4). In die Studie eingeschlossen waren 308 Patient:innen (überwiegend kaukasische Frauen) mit unbehandeltem, inoperablem, lokal rezidivierendem oder metastasiertem SCAC. Laut neuen Studiendaten verbesserte die Immuntherapie das PFS signifikant und mit einem sich über die Zeit vergrößerndem Delta (9,3 Monate vs. 7,4 Monate; HR=0,63; 95%-Konfidenzintervall: 0,47–0,84; p=0,0006). Auch beim OS zeigte sich ein deutlicher Überlebensvorteil (von 19,1 Monate auf 29,2 Monate). Damit hatte sich das verbesserte PFS auch auf das OS übertragen (3).
 
 

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© spline_x - stock.adobe.com

HPV-Assoziation liefert Rationale für Immuntherapie

Die Pathogenese des Analkarzinoms ist mit HPV, insbesondere HPV-16, assoziiert (1). Dabei führt die Integration viraler Gene wie E6 und E7 ins humane Genom zu deren Dysregulation, was wiederum zur Steigerung der Zellproliferation, fortschreitender genetischer Instabilität und Immortalisierung führt. Ein verändertes PD-L1/PD-1 Signalling durch HPV-Infektion erwirkt ein immunsuppressives Milieu, was die Rationale für eine Immuntherapie, wie dem PD-1-Inhibitor Retifanlimab bietet (2, 3). Ob der Effekt von Retifanlimab als Substanzklasseneffekt oder als Retifanlimab-bezogene Wirkung zu sehen ist, muss noch geklärt werden. Außerdem mag als Limitation gelten, dass zwei Drittel der Patient:innen der POD1UM-303-Studie Retifanlimab erst im Rahmen eines Crossovers in der Zweitlinie erhalten hatten. Allerdings zeigten laut Analysten verschiedene mathematische Berechnungen, dass sich der Erfolg auch bei durchgängiger Anwendung in der Erstlinie gezeigt hätte (3). Als Fazit wird deshalb gezogen, dass der Zusatz der Immuntherapie mit Retifanlimab zur Standardchemotherapie schon in der 1. Linie erfolgen sollte (3).

Quelle: Virtueller Fachpresse-Workshop „Neues vom ESMO 2024“, 09.10.2024. Veranstalter: MSD Sharp & Dohme GmbH

Literatur:

(1) S3-Leitlinie Analkarzinom, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen, Langversion 1.2 – Dezember 2020, AWMF-Registernummer: 081/004OL https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/analkarzinom
(2) Rao et al. (2022): POD1UM-303/InterAACT 2: A phase III, global, randomized, double-blind study of retifanlimab or placebo plus carboplatin-paclitaxel in patients with locally advanced or metastatic squamous cell anal carcinoma. Front Oncol., DOI: 10.3389/fonc.2022.935383
(3) Rao, S: POD1UM-303/InterAACT 2: Phase III study of retifanlimab with carboplatin-paclitaxel (c-p) in patients (Pts) with inoperable locally recurrent or metastatic squamous cell carcinoma of the anal canal (SCAC) not previously treated with systemic chemotherapy (Chemo). LBA2, ESMO Congress 2024
(4) Zynyz®, Retifanlimab, EMA. Abrufbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/zynyz (zuletzt aufgerufen am: 06.11.2024)


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