Journal Onkologie

Aktuelles

Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) ist eine der aggressivsten und tödlichsten Krebserkrankungen weltweit und wird aufgrund seiner späten, unspezifischen Symptomatik oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert [1]. Die chirurgische Resektion in Kombination mit einer systemischen Chemotherapie stellt bis heute den einzigen potenziell kurativen Therapieansatz dar [2]. Die traditionelle Beantwortung der Frage, wann ein:e Patient:in dem/der Pankreaschirurg:in vorgestellt werden sollte, war historisch betrachtet relativ eindimensional: Eine Vorstellung erfolgte zumeist dann, wenn die präoperative Bildgebung einen lokal resezierbaren Befund ohne Fernmetastasen zeigte, um eine sofortige Operation („Upfront Surgery“) durchzuführen. Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Die moderne Onkochirurgie begreift das Pankreaskarzinom als eine primär systemische Erkrankung, weshalb die chirurgische Vorstellung idealerweise unmittelbar nach der Diagnosestellung in einem interdisziplinären Tumorboard eines spezialisierten High-volume-Zentrums erfolgen sollte [3]. Der Zeitpunkt der tatsächlichen operativen Intervention hat sich jedoch stark individualisiert. Neue Aspekte in der Entscheidungsfindung umfassen die Abkehr von rein anatomischen Resektabilitätskriterien hin zu einem biologischen Verständnis der Erkrankung (das sog. A-B-C-Klassifikationssystem) [4]. Zudem hat die Etablierung effektiver neoadjuvanter Therapien (NAT) bei borderline-resezierbaren und lokal fortgeschrittenen Tumoren dazu geführt, dass Patient:innen, die früher als inoperabel galten, heute durch komplexe gefäßchirurgische Rekonstruktionen oder das „Arterial Divestment“ kurativ operiert werden können [5]. Gleichzeitig erfordern neue operative Zugänge, wie die robotische Pankreaschirurgie (RPD), sowie das essenzielle Management schwerer postoperativer Komplikationen zur Vermeidung eines „Failure to Rescue“, eine strenge Zentralisierung [6]. Dieser Übersichtsartikel diskutiert die neuesten Entwicklungen und Aspekte, die den optimalen Zeitpunkt der chirurgischen Vorstellung und Intervention beim Pankreaskarzinom definieren, anhand von 5 relevanten Hauptthemen.
Lesen Sie mehr 
Große randomisierte Studien sowie erste etablierte nationale Programme haben für das Lungenkrebsscreening mit ­Niedrigdosis (low-dose)-Computertomographie (LDCT) eine Verschiebung zu früheren Tumorstadien und folglich eine Reduktion der lungenkrebsspezifischen Mortalität gezeigt. Bei geeigneten Einschlusskriterien und standardisierten Abläufen überwiegt der nachgewiesene Nutzen potenzielle Risiken, wie Strahlenexposition, falsch-positive Befunde und Überdiagnosen. Aufbauend auf diesen Vorerfahrungen wurde das Lungenkrebsscreening am 01.04.2026 in Deutschland in die Regelversorgung eingeführt. Definierte Einschlusskriterien und standardisierte Vorgaben für die Durchführung, Befundbewertung und das Management positiver Screeningbefunde wie die Lung-RADS v2022 Kriterien sind zentrale Hebel, um falsch-positive Befunde zu reduzieren und Überdiagnostik zu kontrollieren. Zudem sind Qualitäts­sicherungsmaßnahmen wie Zweitbefundung, interdisziplinäre Fallkonferenzen und der Einsatz computer­assistierter ­Detektionssoftware entscheidend, um die diagnostische Sicherheit zu erhöhen.
Lesen Sie mehr 
cGastrointestinale Stromatumoren (GIST) stellen die am häufigsten vorkommenden Weichteilsarkome des Gastrointes­tinaltrakts dar. Ihren mesenchymalen Ursprung haben die GIST in den sog. Cajal-Zellen, die als Schrittmacherzellen der Peristaltik im Plexus myentericus im Ösophagus, Magen und Darm vorkommen [1, 2]. Aufgrund der typischen Mutationen in den Rezeptortyrosinkinasen KIT oder PDGFRA ist die Durchführung der Immunhistochemie und Molekularpathologie die elementare Voraussetzung sowohl für die Diagnostik und Prognoseabschätzung als auch für die Festlegung der neoadjuvanten oder adjuvanten Therapie bei GIST [3]. Damit stellen diese Weichteilsarkom-Subtypen seit der Entdeckung der KIT-Mutationen in GIST im Jahr 1998 und der Einführung von Imatinib Anfang der 2000er Jahre, welche die GIST-Therapie revolutionierten, seit mehr als 20 Jahren eine Modellerkrankung in der Onkologie für die zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) dar [3, 4].
Lesen Sie mehr 
Ösophaguskarzinom
 4 Min|
Schematische Darstellung eines menschlichen Oberkörpers mit orange hervorgehobenem Ösophagus
Kein Standard, aber großes Potenzial durch aktuelle Studien

Von der Radiochemotherapie zur Immunerhaltung: PD-1-Therapie bei Ösophaguskarzinomen

Die kombinierte Radiochemotherapie (RCT) und die Checkpoint-Inhibitoren sind beide für sich genommen etablierte Therapiestrategien in der Behandlung des Ösophaguskarzinoms. Allerdings ist die direkte Kombination der Strahlen- und der Immuntherapie nicht regelhaft vorgesehen. Dennoch könnte gerade die Kombination der beiden Therapien eine wichtige Lücke für nicht operable Patient:innen schließen. Aktuell laufende Studien zeigen in diese Richtung.
Lesen Sie mehr 
Entitätsübergreifend
 5 Min|
vision zero - gemeinsam gegen Krebs (Logo)

Mehr Patient:innen in klinischen Studien in Deutschland: Zwei Vorschläge für eine Vision Zero

Zu den Zielen von Vision Zero gehört eine bessere Verzahnung von Grundlagenforschung, klinischer Entwicklung und praktischer Anwendung im Gesundheitswesen [1]. Klinische Studien spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Patient:innen frühzeitig Zugang zu innovativen Therapien ermöglichen. Vor diesem Hintergrund möchten wir einen patienten- und arztzentrierten Ansatz vorstellen, um die Rekrutierung in onkologische Studien in Deutschland zu erhöhen.
Lesen Sie mehr 
Weitere Inhalte:
NSCLC
 3 Min|
Interview mit Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte, Krankenhaus Martha-Maria, Halle-Dölau

ALK+ NSCLC: Therapiesequenz im Wandel

Die Therapielandschaft beim ALK-positiven nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (ALK+ NSCLC) ist heute so differenziert wie herausfordernd: Mehrere Generationen von Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) stehen zur Verfügung, langjährige Erfahrung trifft auf neue Studiendaten und erwartete Updates. Diese Dynamik macht die praktische Einordnung zur Therapiesequenz zunehmend komplex, was sich nicht nur verstärkt bei Ärztekongressen zeigt, sondern auch bei der Leitlinienüberarbeitung. Prof. Dr. Wolfgang Schütte, Mitgestalter der Leitlinie und Stellvertretender Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Martha-Maria, Halle-Dölau, bestätigt: Aktuell gibt es leider noch sehr viele offene Fragen.
Lesen Sie mehr 
Entitätsübergreifend
 10 Min|
Künstliche Intelligenz (KI). Arzt zeigt auf digitales medizinisches Interface. Text umgeben von Icons, angeordnet im Kreis.
Vertrauen entscheidet, ob aus Wissen vorbeugendes Handeln wird

Wenn Algorithmen unser Leben durchrechnen

Deutschland gibt Milliarden für Gesundheit aus und landet bei der Lebenserwartung in Westeuropa trotzdem fast am Ende des Rankings. Für Ethiker:innen eine „verpasste Präventionschance“. An einem Wintermorgen stehe ich im Flur der Abteilung „Künstliche Intelligenz in der Onkologie“ in Heidelberg. Hinter den Türen: Videokonferenzen, Programmcode, Datensätze. Das Ziel: den Krankheitsverlauf von Millionen Menschen Jahrzehnte im Voraus zu berechnen und Präventionsfenster zu öffnen. Wie viel unserer Zukunft wären wir bereit, auf die Vorhersagen eines Algorithmus zu setzen?
Lesen Sie mehr 
Weitere Inhalte:
Entitätsübergreifend
 9 Min|
Mann trägt Sonnencreme auf seinen Arm auf während er im Sommer eine Wanderung macht

Hautkrebs und Sport – Präventionsdefizite in einem Risikosetting

Sport im Freien gilt als Risikosetting für die Entstehung von Hautkrebs. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind in Sportarten wie Fußball, Tennis, Leichtathletik, Wasser- und Bergsport regelmäßig der Sonne und damit UV-Strahlung ausgesetzt. Trainer:innen und Übungsleiter:innen stehen in der Verantwortung, die in ihrer Obhut befindlichen Sportler:innen vor den schädlichen Folgen langfristiger UV-Exposition zu schützen. Eine aktuelle repräsentative Studie belegt deutliche Wissens- und Präventionsdefizite unter Trainer:innen und Übungsleiter:innen in Deutschland. Der vorliegende Beitrag fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und zeigt aktuelle Präventionsansätze auf.
Lesen Sie mehr 
Hämatologie
 6 Min|
CML-Erstlinientherapie

CML-Erstlinientherapie: Tiefes und ­anhaltendes Ansprechen unter Asciminiba ­auch nach 144 Wochen

Bei der Erstlinienbehandlung (1L) von Patient:innen mit neudiagnostizierter chronischer myeloischer Leukämie (CML) zeigte eine Behandlung mit dem STAMPb-Inhibitor Asciminib bereits in den Analysen nach 48 und 96 Wochen eine ­vorteilhafte Wirksamkeit und Verträglichkeit [1, 2]. Die kürzlich veröffentlichten Langzeitdaten nach 144 Wochen ­bestätigen nun ein tiefes und anhaltendes Ansprechen unter Asciminib bei guter Verträglichkeit [3, 4]. Sie erweitern damit die bislang aus späteren Therapielinien verfügbare Langzeitevidenz [5, 6].
Lesen Sie mehr 
Nierenzellkarzinom
 3 Min|
Schematische Darstellung von Nierenzellkrebs, Nieren rot in blau durchschimmerndem Körper

Therapie des RCC nach Versagen einer Sequenz- oder Kombinationstherapie mit CPI und VEGF-TKI

Eine randomisierte, doppelblinde klinische Prüfung der Phase III mit Belzutifan + Zanzalintinib im Vergleich zu Belzutifan + Placebo bei Patienten mit forgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC), deren Erkrankung sowohl unter PD-1/L1- als auch unter VEGF-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI)-Therapie, die sequenziell oder in Kombination verabreicht wurde, fortgeschritten ist (LITESPARK-034) – Studie AN 72/25 der AUO.
Lesen Sie mehr 
Hepatozelluläres Karzinom
 9 Min|
3D-Darstellung der Leber mit Krebs, rot auf blauem Hintergrund

Immuntherapie beim HCC: Von der Zulassung zur klinischen Praxis

In den letzten Jahrzehnten hat die Immuntherapie die Behandlung maligner Erkrankungen revolutioniert. Insbesondere beim Melanom, aber auch beim Bronchialkarzinom, werden immunonkologisch (IO) Verläufe mit tiefem und anhaltendem Ansprechen erreicht. Eingesetzt zur IO-Therapie werden Antikörper gegen PD-1 (programmierter Zelltod 1) oder PD-L1 (programmierter Zelltod-Ligand 1) sowie CTLA-4 (zytotoxisches T-Lymphozyten-assoziiertes Protein-4). Auch für das hepatozelluläre Karzinom (HCC) stellt ein IO-Regime bei metastasierter Erkrankung oder nicht ­lokal therapierbaren Leberherden die empfohlene Erstlinientherapie dar [1]. Im Vergleich zu Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) konnte das Gesamtüberleben (OS) durch Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) nahezu verdoppelt werden. Seit 2020 wurden 3 ICI-Regime in Deutschland zugelassen. Alle 3 Regime werden in der aktuellen Konsultationsfassung der S3-Leitlinie zur Therapie des HCC in der Erstlinie empfohlen [1]. In der vorliegenden Zusammenfassung werden die 3 Zulassungsstudien IMbrave150, HIMALAYA und CheckMate 9DW sowie bestätigende Ergebnisse aus der Routineversorgung und darauf aufbauende differenzierte Therapieentscheidungen in der klinischen Praxis diskutiert.
Lesen Sie mehr 
Urothelkarzinom
 3 Min|
Schematische Darstellung von Harnblasenkrebs, bläulich durchschimmernder Mensch vor schwarzem Hintergrund

Zweitlinientherapie des high-risk NMIBC nach BCG-Gabe

Randomisierte, offene, multizentrische klinische Prüfung der Phase III zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit des intravesikalen Erdafitinib-Verabreichungssystems TAR-210 im Vergleich zur vom Prüfarzt gewählten intravesikalen Chemotherapie bei Patienten mit nicht-muskelinvasivem Hochrisiko-Blasenkarzinom (HR-NMIBC) und spezifischen FGFR-Genveränderungen, die zuvor eine intravesikale Behandlung mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) erhalten hatten (MoonRISe-3) – AB 108/25 der AUO.
Lesen Sie mehr 
Hämatologie
 5 Min|
Teclistamab und Talquetamab beim RRMM

Teclistamab und Talquetamab beim RRMM: Ambulante Aufdosierung verbessert die Versorgung

Innovative T-Zell-Redirektionstherapien (TCR) haben bei Patient:innen mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom (RRMM) eine therapeutische Lücke geschlossen. Mit wachsender Anwendungserfahrung rückt insbesondere die ambulante Aufdosierung von bispezifischen Antikörpern in den Fokus. Sie kann dazu beitragen, Hürden in der ­Pa­tienten­versorgung abzubauen und Behandlungszentren zu entlasten.
Lesen Sie mehr 
NSCLC
 5 Min|
Erstlinienbehandlung des ALK+ aNSCLC
Erstlinienbehandlung des ALK+ aNSCLC

Herausragende Langzeitwirksamkeit von Lorlatinib für die klinische Routine nutzen

Das 7-Jahres-Update der Phase-III-Studie CROWN bestätigte erneut die anhaltend gute Wirksamkeit von Lorlatinib, einem ALK-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) der dritten Generation, in der Erstlinientherapie des ALK-positiven fort­geschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (ALK+ aNSCLC) gegenüber Crizotinib und setzte damit neue Maßstäbe für die Langzeitwirksamkeit [1, 2]. Die Daten zeigten, dass eine einzelne Substanz erstmalig in der Lage ist, den fortgeschrittenen Lungenkrebs anhaltend zu kontrollieren – sowohl systemisch als auch intrakraniell. Unerwünschte Ereignisse traten früh auf und waren durch Dosisanpassungen ohne Wirksamkeitsverlust gut handhabbar. Gute Aufklärung, ein geeignetes Therapiemanagement und die langfristige Begleitung der Patient:innen stellen sicher, dass die Behandelten im klinischen Alltag bestmöglich profitieren.
Lesen Sie mehr 
Entitätsübergreifend
 6 Min|
health care industry or health care costs
Von Arzneimittel-Rabatten bis Zuckersteuer

Spardruck im Gesundheitswesen nimmt trotz Reformbedarf weiter zu

Trotz des umfassenden Sparpakets zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) soll es ­weitere Einsparungen im Gesundheitswesen geben. Auch die onkologische Versorgung ist betroffen: Krankenkassen werden künftig über Rabattverträge bei der Verordnung von patentgeschützten Krebsarzneien mitreden. Die Tabak- und die Alkoholsteuer werden kräftig erhöht.
Lesen Sie mehr 
Entitätsübergreifend
 6 Min|
Medical technology, innovation health and medical research, healthcare and medicine concept. Doctor or technician working with AI data analysis, lab experiment, data science
Interview mit Dr. Konstanze Blatt, Berlin

Gesundheitsdaten für die Krebsmedizin – viele Bausteine für die datenbasierte Forschung

Für eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung bringt die Bundesregierung eine Reihe von Gesetzesinitiativen auf den Weg. Dazu zählt das Medizinregistergesetz, das auch die Qualität und Vergleichbarkeit von Gesundheitsdaten optimieren soll. Für die Zusammenführung von klinischen Krebsregisterdaten ist die IT-Plattform PLATO 2 [1] in Vorbereitung. Welche Hürden die datenbasierte Krebsforschung noch nehmen muss, erläutert Dr. Konstanze Blatt, Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft, im Interview.
Lesen Sie mehr 
d-uo
 5 Min|
Arzt sitzt vor Laptop, Taschenrechner, Münzen und ein Sparschwein auf dem Tisch

Die OV und die Tumornachsorge im EBM aus Sicht einiger Urologen

Urologische Tumorerkrankungen stellen hohe Anforderungen an Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Deutsche Uro-Onkologen e.V. (d-uo) engagieren sich seit Jahren für eine bessere Dokumentation und Versorgungsforschung in der Uro-Onkologie. Vor diesem Hintergrund wurden die Vergütungssysteme von Onkologie-Vereinbarung (OV) und einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM) und deren unzureichende Honorierung der aufwendigen Patientenbetreuung analysiert.
Lesen Sie mehr