Marker bei Brustkrebs
Dr. rer. nat. med. habil. Eva GottfriedTumormarker sind Kennzeichen, die der Tumor freisetzt oder auf seiner Oberfläche trägt. Diese Biomarker werden zur Diagnose, Einschätzung der Prognose der voraussichtlichen Wirkung einer Behandlung sowie zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs genutzt. Die Aussage des einzelnen Markers ist immer im Kontext anderer Kennzeichen des Tumors zu beurteilen. Zur Reihenuntersuchung als Screening sind sie nicht geeignet, weshalb das Vorsorgeprogramm keine Tumormarker untersucht.
Welche Tumormarker gibt es bei Brustkrebs?
Zelluläre Brustkrebsmarker werden direkt am Gewebe von Biopsie oder Operation bestimmt.Hierzu zählen insbesondere:
- HER2-Rezeptor
- Hormonrezeptoren: Östrogen- und Progesteronrezeptor (ER, PR)
- Proliferationsmarker Ki-67
- uPA/PAI-1-Status
Zu ihnen zählen bei Brustkrebs:
- CA15-3
- CEA
Was bedeutet HER2-Status?
Etwa 20% der Mammakarzinome sind HER2-positiv (HER2+), d.h. sie tragen den Hormonrezeptor HER-2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2, c-erbB2). Der HER2-Status beschreibt das Vorhandensein vom Rezeptor; ein Score (Wert) von 0 bis 3+ bezeichnet den prozentualen Anteil der positiven Zellen. HER2 steht mit verstärktem Tumorwachstum im Zusammenhang und geht mit einem aggressiveren Verlauf der Krebserkrankung einher.Lesen Sie mehr zu diesem Thema:
Mammakarzinom: Wie profitieren Patientinnen von molekularer Diagnostik?
Erschienen am 25.11.2021 • EIne frühzeitige molekularpathologische Testung verbessert die Behandlungschancen bei Brustkrebs. Lesen Sie, wie die Entscheidungsfindung im molekularen Tumorboard unterstützt werden kann.
Erschienen am 25.11.2021 • EIne frühzeitige molekularpathologische Testung verbessert die Behandlungschancen bei Brustkrebs. Lesen...
Was ist eine Anti-HER2-Therapie?
HER2 dient zur Diagnose und Klassifizierung von Brustkrebs und wird zur Entscheidung über die Therapie herangezogen. Mithilfe einer erfolgreichen Anti-HER2-Therapie können HER2-Rezeptoren blockiert werden, um das Tumorwachstum zu hemmen, das Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors zu verringern und die Überlebenszeit von Patient oder Patientin zu steigern. Für ein HER-2-positives Mammakarzinom kommt der- monoklonale Antikörper Trastuzumab bzw. Pertuzumab oder
- Tyrosinkinase-Hemmer Lapatinib
Was bedeutet Hormonrezeptor-positive Erkrankung?
Auch die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron können das Wachstum von Brustkrebszellen beeinflussen, sofern diese Bindungsstellen, wie Östrogenrezeptoren (ER) oder Progesteronrezeptoren (PR, PgR) zum Andocken der Hormone aufweisen. Diese Hormonrezeptoren (HR) leiten Wachstumssignale ins Innere der Tumorzelle und fördern so das Wachstum des Tumors.Der Tumor wird dann bezeichnet als
- ER+ (ER-positiv, Östrogen-Rezeptor-positiv)
- PR+ (PR-positiv, Progesteron-Rezeptor-positiv, manchmal auch als PgR+)
Was ist eine endokrine Therapie?
Wenn eine Tumorzelle hormonempfindlich ist, kann ihr Wachstum durch ein antihormonell wirksames Medikament verlangsamt oder unterdrückt werden. Je nach individuellem Befund kann nach der Operation eine antihormonelle Therapie, auch endokrine Therapie genannt, in Betracht gezogen werden. Als Medikament zur Behandlung stehen hierfür u.a. zur Verfügung:- Antiöstrogen (Tamoxifen)
- Aromatasehemmer zur Hemmung der Östrogenbildung
- GnRH-Analoga zur Senkung der Östrogenspiegel.
Ki-67 zeigt Wachstumspotenzial der Krebszellen
Ki-67 ist ein Proliferationsmarker zum Nachweis teilungsaktiver Zellen in einem Gewebe. Das Testergebnis kann als Ki-67-Labeling-Index dargestellt werden. Der Marker dient zur Klassifizierung des Tumors und zur Risikobestimmung. So verbessert die Bestimmung von Ki-67 laut aktueller S3-Leitlinie die Prognoseabschätzung bei ER-/PR-positivem und HER2-negativem invasivem Mammakarzinom. Dies ist mit Blick auf die mögliche Behandlung mit einer adjuvanten Chemotherapie relevant.Lesen Sie mehr zu diesem Thema:
Neue Online-Fortbildung für hohe Beratungsqualität bei familiärem Mamma- und Ovarialkarzinom
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Der Nachweis von uPa/PAI-1 hat unklaren Nutzen
Das Protein Urokinase-Typ Plasminogen-Aktivator (uPA) und sein Inhibitor Plasminogen-Aktivator-Inhibitor 1 (PAI-1) sind 2 an Stoffwechselprozessen beteiligte Enzyme, die immer wieder zum Abschätzen des Metastasierungsrisikos eingesetzt werden. Der prognostische Wert für Patient oder Patientin und der Einsatz in der Therapieentscheidung ist allerdings umstritten, weshalb seine Analyse derzeit von der S3-Leitlinie nicht prinzipiell empfohlen wird.Tumormarker zur molekularen Subtypisierung
Mithilfe der Tumormarker unterscheidet man 4 molekulare Subtypen beim Mammakarzinom- Karzinom luminal A (HR-positiv, HER2-negativ, Ki-67 niedrig)
- Karzinom luminal B (HR-positiv, HER2-negativ, Ki-67 hoch)
- Karzinom vom HER2-Typ (HER2-positiv)
- triple negativer Brustkrebs (HER2-negativ, HR-negativ)
Wofür dienen Tumormarker im Blut?
Bei Patient:innen mit bereits diagnostiziertem Brustkrebs wird regelmäßig das Blut untersucht. Neben den klassischen Blutwerten werden auch lösliche Tumormarker wie CA 15-3 und CEA betrachtet. Diese dienen zur Kontrolle, wie sich ein Tumor im Rahmen einer Therapie verhält und unterstützen die Früherkennung von Rückfällen (Rezidiven) und Metastasen.Was bedeutet der Tumormarker CA 15-3?
Der Marker CA 15-3, kurz für Cancer Antigen 15-3, weist die lösliche Form des Glykoproteins Mucin 1 (Muc1) nach. Das Protein ist an der Aktivierung krebsfördernder Signalwege in der Tumorzelle beteiligt, kommt in geringeren Mengen aber auch auf gesunden Zellen vor. Erhöhte Werte im Blut werden bei verschiedenen bösartigen Erkrankungen, wie dem Mammakarzinom, Ovarialkarzinom und Nierenzellkarzinom gefunden. Die Höhe des Werts im Blut (angegeben als U/l) steht in Beziehung zur Krankheitsaktivität. CA 15-3 ist besonders gut nachweisbar bei metastasiertem Mammakarzinom, weshalb CA 15-3 besonders in der Verlaufskontrolle bei fortgeschrittenem, metastasiertem Mammakarzinom genutzt wird.Lesen Sie mehr zu diesem Thema:
Was empfiehlt die AGO 2022 beim HER2+ Mammakarzinom?
Erschienen am 19.05.2022 • Was empfiehlt die AGO 2022 beim HER2+ Mammakarzinom?
Erschienen am 19.05.2022 • Was empfiehlt die AGO 2022 beim HER2+ Mammakarzinom?
Tumormarker CEA dient zur Kontrolle
Auch der Faktor CEA (engl. carcinoembryonic antigen) wird zur Verlaufskontrolle bei Brustkrebs bestimmt. In gesundem Gewebe ist das Molekül an der Differenzierungs- und Wachstumskontrolle von Zellen beteiligt; beim Tumor fördert es das Wachstum und Voranschreiten der Erkrankung. Der CEA-Wert (angegeben als ng/ml) steigt mit dem Ausmaß der Tumorerkrankung an, ist aber nicht spezifisch für Brustkrebs, sondern ist auch bei anderen Krebserkrankungen zu finden (Darm- und Schilddrüsenkrebs), Auch bei anderen Erkrankungen wie alkoholischer Leberzirrhose, Pankreatitis, Colitis ulcerosa, Lungenentzündung und häufig bei Rauchern ist CEA erhöht. Aufgrund dieser geringeren Spezifität wird der Marker bei Brustkrebs nur zur Kontrolle des Therapieverlaufs gemeinsam mit anderen Markern bestimmt.Genauere Informationen zur Bedeutung von Tumormarkern bei Brustkrebs finden Sie in der S3-Leitlinie Mammakarzinom.Literatur:(1) Wörmann, B., et al. Mammakarzinom der Frau, Onkopedia Leitlinien, 2018, DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-der-frau/@@guideline/html/index.html.
(2) Brustkrebs/Mammakarzinom, Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Onko Internetportal, https://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs.html.
(3) Interdisziplinäre S3-Leitliniefür die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 4.4–Juni2021AWMF-Registernummer: 032-045OL; Leitlinienprogramm Onkologie, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (letzter Zugriff: 29.11.2021)
(4) Tumormarker und andere Biomarker bei Krebs: Anwendung, https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/molekulare-diagnostik/tumormarker-biomarker-anwendung.php.