Aufklärungskampagne zur HPV-Impfung soll Wissenslücke schließen und Impfbeteiligung erhöhen
„Ein häufig genannter Grund für die
geringe Beteiligung der deutschen Bevölkerung an der HPV-Impfung ist ein Wissensdefizit über das Thema. Diese Aufklärungskampagne kann dazu beitragen, diese Wissenslücke zu schließen und die Impfbeteiligung zu erhöhen“, sagt Dr. Nobila Ouédraogo von der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung am 14.11.2023 am LMU Klinikum in München. Prof. Claus Belka, Mitglied des Direktoriums des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) und Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am LMU Klinikum, betonte die große Bedeutung der HPV-Impfung: „Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die
Impfung das Risiko für HPV-Infektionen und die damit verbundenen Krebserkrankungen erheblich reduziert. Der Schutz, den die Impfung bietet, kann viele Jahre andauern und sogar lebenslang sein. Eltern und Jugendliche wissen immer noch viel zu wenig über humanen Papillomaviren (HPV) und die Impfung. Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) will dem negativen Impftrend entgegenwirken und hat gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum die Organisation der Ausstellung in Bayern übernommen.“
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Erschienen am 05.03.2023 • Ein freiwilliges Impfangebot gegen HPV an Schulen könnte die Impfraten erhöhen. Was die Bevölkerung davon hält, lesen Sie hier!
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Die Bedeutung von Impfung und Vorsorgeuntersuchungen
„Ob Frau oder Mann: Es kann alle treffen.“ Das wissen auch Yvonne Köth, die 2015 selbst die Diagnose einer HPV-16- Infektion und
Gebärmutterhalskrebs erhielt, und Stefan Kübler, der 2016 an Peniskrebs erkrankte. Gemeinsam mit anderen Betroffenen erzählen sie im Rahmen der Ausstellung „HPV hat viele Gesichter“ ihre Geschichten: „Krebs ist auch eine Infektionskrankheit. Es kann so einfach sein, sich zu schützen und Leid zu ersparen.“ „Unbehandelte HPV-Infektionen können zu schweren gesundheitlichen Problemen führen, wie Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs oder
Vulvakrebs. Die beste Möglichkeit zur Vermeidung ist die HPV-Impfung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, um frühzeitig Anzeichen von HPV-assoziierten Erkrankungen zu erkennen,“ ergänzt Prof. Sven Mahner, Direktor der Frauenklinik der LMU in der Talk-Runde mit Prof. Martin Canis, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-heilkunde der LMU, der ergänzt: „Auch
Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum sind HPV-bedingte Krebserkrankungen. Außerdem weiß man: Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist der Schutz für alle noch ungeimpften Personen. Denn dann können die Viren sich insgesamt schlechter in der Bevölkerung ausbreiten. Diesen Effekt nennt man auch Herdenimmunität oder Gemeinschaftsschutz.“
Viren und Bakterien sind Krebsauslöser
Krebs kann durch Viren und andere Erreger verursacht werden. Weltweit wird geschätzt, dass etwa jede sechste Krebserkrankung auf Krankheitserreger zurückzuführen ist. Im Jahr 2021 spielten sie bei etwa 4 von 100 Krebsfällen in Deutschland eine Rolle. Bestimmte Humanen Papillomviren können verschiedene Krebsarten auslösen, seit 2006 steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung. Über 200 HPV-Typen sind weltweit verbreitet, wovon einige harmlos sind, während andere Warzen oder Krebs verursachen können. Die meisten HPV-Infektionen bleiben ohne Folgen, da das Immunsystem die Viren in der Regel bekämpft. In einigen Fällen jedoch, wenn verschiedene Risikofaktoren wie Rauchen oder ein geschwächtes Immunsystem zusammentreffen, kann die Infektion anhalten und zu Krebsvorstufen und letztendlich zu Krebs führen. Die HPV-Schutzimpfung ist ein entscheidender Weg zur Krebsprävention, idealerweise sollte die HPV-Impfung vor Aufnahme erster sexueller Kontakte durchgeführt werden. Der Vorteil einer frühen HPV-Impfung spiegelt sich auch in Ergebnissen einer großen britischen Studie wider: Die Reduktion von Gebärmutterhalskrebs betrug bei vollständiger HPV-Impfung im Alter von 12 bis 13 Jahren 87%, während sie bei Impfung im Alter von 16 bis 18 Jahren nur noch bei 34% liegt.