miRNA-Biomarker erhöhen Diagnosesicherheit beim Lungenkrebs-Screening
Anika Mifka M.Sc.Eine neue Studie zeigt, dass die Kombination von 6 mikroRNA (miRNA)-Biomarkern mit Lungenknotenmerkmalen aus der Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT) die Diagnosesicherheit bei Lungenkrebs erheblich verbessern könnte. Mithilfe maschinellen Lernens wurde ein Modell entwickelt, das die Früherkennung optimiert und die derzeitigen Limitationen des LDCT-Screenings überwindet.
Liquid Biopsy als vielversprechende Ergänzung zur Früherkennung
Lungenkrebs ist weltweit die führende Ursache für krebsbedingte Todesfälle, vor allem weil die Krankheit oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Während die Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT) als bewährte Methode zur Früherkennung gilt, sind ihre hohe Falsch-Positiv-Rate und der enorme Ressourcenaufwand Hindernisse für eine breite Anwendung. Eine vielversprechende Ergänzung zu herkömmlichen Screening-Methoden könnte die Liquid Biopsy sein – eine blutbasierte Diagnostik, die nach molekularen Veränderungen im Blut sucht. Besonders miRNA-Biomarker rücken dabei in den Fokus, da sie frühe Anzeichen für Lungenkrebs erkennen können.
6 miRNA-Biomarker als vielversprechende Kandidaten identifiziert
In einer Fall-Kontroll-Studie an 2 großen Kliniken wurden 82 Patient:innen mit Lungenkrebs und 123 gesunde Kontrollpersonen untersucht. Zunächst wurden aus der wissenschaftlichen Literatur 25 potenzielle miRNA-Biomarker identifiziert, von denen 16 eine signifikante 2-fache Überexpression bei Krebspatient:innen zeigten. Anschließend wurden mithilfe von maschinellem Lernen die 6 leistungsfähigsten miRNA-Biomarker ermittelt: mir-196a, mir-1268, mir-130b, mir-1290, mir-106b und mir-1246.
Kombi aus miRNA-Test und LDCT verbessert die Diagnosegenauigkeit auf über 95%
Die anschließende Analyse zeigte, dass ein Test basierend nur auf diesen 6 miRNA-Biomarkern bereits in der Lage war, Lungenkrebs mit hoher Genauigkeit zu erkennen. Wenn dieser Bluttest allein genutzt wurde, konnte er bei etwa 75% der Erkrankten Lungenkrebs korrekt identifizieren, während er gleichzeitig gesunde Personen in etwa 80% der Fälle richtig als krebsfrei erkannte. Noch beeindruckender war die Kombination mit Lungenknotenmerkmalen aus der LDCT. Hierdurch konnte die Erkennungsrate nahezu perfektioniert werden: In über 95% der Fälle wurde die richtige Diagnose gestellt, sowohl bei Krebspatient:innen als auch bei gesunden Personen.
miRNA-Analyse und LDCT: Potenzieller Ansatz zur präziseren Lungenkrebsfrüherkennung
Diese Ergebnisse zeigen, dass ein kombinierter Ansatz aus miRNA-Analyse und LDCT-Screening das Potenzial hat, die Früherkennung von Lungenkrebs erheblich zu verbessern. Die Integration dieses Modells in bestehende Screening-Protokolle könnte helfen, die diagnostische Genauigkeit zu erhöhen, unnötige invasive Untersuchungen zu vermeiden und damit die Patientenversorgung zu optimieren. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um diese Methode in der Praxis zu validieren.
Quelle:Poh et al. Cancer 2025; 17(6):942. doi: https://doi.org/10.3390/cancers17060942