Journal Onkologie

Aktuelles

Entitätsübergreifend
Gemischte Bilanz der Krebsfrüherkennung in Deutschland
DKK 2026

Gemischte Bilanz der Krebsfrüherkennung in Deutschland

Auf dem Deutschen Krebskongress 2026 zogen Expert:innen eine gemischte Bilanz der Krebsfrüherkennung in Deutschland. Während das Darmkrebsscreening als europäisches Erfolgsprogramm mit über 30% Inzidenzrückgang Erfolge zeigt, zeigen sich bei anderen Tumorentitäten erhebliche Defizite. Das ab April 2026 startende Lungenkrebsscreening und neue risikoadaptierte Ansätze beim Prostatakarzinom bieten jedoch vielversprechende Perspektiven. Einigkeit herrschte über die Notwendigkeit organisierter Programme mit systematischen Einladungsverfahren.
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Gesundheitspolitik

Koalition ringt um Nachbesserungen an Klinikreform

Die schwarz-rote Koalition ringt um geplante Nachbesserungen an der umstrittenen Krankenhausreform. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) verwies in Berlin auf laufende Gespräche mit den Ländern. „Wir wollen gerne ein Gesetz, das eine Mehrheit im Bundestag und im Bundesrat findet“, sagte er vor einer Fraktionssitzung. „Wenn es eine Woche länger dauert, dafür aber gemeinsam getragen wird, dann ist das eine gut investierte Woche.“
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Mammakarzinom
DKK 2026

Frühes HR+/HER2– Mammakarzinom: Breite Patientenpopulation profitiert von CDK4/6-Inhibition in der Adjuvanz

Dank eines risikoadaptierten multimodalen Therapiekonzepts haben Patientinnen mit frühem Hormonrezeptor-positiven, HER2-negativen (HR+/HER2-) Brustkrebs eine günstige Prognose. Ein „unmet need“ bleibt das relevante Rezidivrisiko, das über Jahre bestehen bleibt [1]. Betroffene mit hohem Rückfallrisiko können von der CDK4/6-Inhibition, etwa mit Ribociclib, profitieren, selbst dann, wenn keine Nodalbeteiligung besteht [2]. Diese auf Studienevidenz beruhende Erkenntnis findet sich auch in den aktualisierten Empfehlungen der S3-Leitlinie zum Mammakarzinom wieder [3].
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Medizin
S3-Leitlinie onkologische Ernährungsmedizin aktualisiert: keine Empfehlungen für spezielle Diäten

S3-Leitlinie onkologische Ernährungsmedizin aktualisiert: keine Empfehlungen für spezielle Diäten

Die im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisierte S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie" spricht sich gegen restriktive Diäten bei Krebs aus. Sogenannte Krebsdiäten und Fastenprogramme sind nicht geeignet, betonen die an der Leitlinie beteiligten Fachgesellschaften. Studien zeigen keinen Nutzen, aber ein hohes Risiko für Mangelernährung – was bei Krebspatient:innen zum Tod führen kann.
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Entitätsübergreifend
Krebsprävention durch Ernährung: Individualisierte Ansätze statt Nahrungsergänzungsmittel
DKK 2026

Krebsprävention durch Ernährung: Individualisierte Ansätze statt Nahrungsergänzungsmittel

Auf dem Deutschen Krebskongress 2026 widmete sich eine Sitzung dem komplexen Zusammenspiel zwischen Ernährung, Nahrungsergänzungsmitteln und Krebsprävention. Die drei Vorträge von Prof. Dr. Johann Ockenga (Klinikum Bremen-Mitte), Dr. Eunike Velleuer (Helios Klinikum Krefeld) und Prof. Dr. Jutta Hübner (Universitätsklinikum Jena) behandelten verschiedene Aspekten der Prävention – von der Primär- bis zur Tertiärprävention.
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Gesundheitspolitik

Fachärzteverband wehrt sich gegen Schuldzuweisungen

Die Auseinandersetzung um Sinn und Kosten bei vom Hausarzt vermittelten Facharztterminen wird nach Ansicht des BFAV-Vorstandes zu einem „für Patienten schädlichen Kesseltreiben“ gegen Kolleg:innen missbraucht. Es wird gefordert, angebliche Doppelvergütungen einzusparen. Mit diesem „Terminzwang-Diktat“, so BFAV-Vorstand Dr. Klaus Holler werden „Freiberuflichkeit und Leistung inzwischen selbst von den Parteien der Mitte mit Füssen getreten.“ Statistiken werden schamlos frisiert, kritisiert Holler die Verbreitung von gezielten Falschinformationen über die Vergütung und Terminvergabe von Fachärzt:innen.
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Hämatologie

Pure Red Cell Aplasia nach allogener Stammzelltransplantation

Die rein erythrozytäre Aplasie (Pure Red Cell Aplasia, PRCA) ist eine schwerwiegende Komplikation nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (alloSCT), insbesondere bei ABO-Inkompatibilität [1, 2]. Die Behandlung gestaltet sich oft schwierig, da keine Standardtherapie existiert [3, 4]. Eine internationale multizentrische Studie der EBMT Transplant Complications Working Party untersuchte nun erstmals umfassend die Wirksamkeit von Daratumumab, einem Anti-CD38-Antikörper, zur Behandlung der PRCA nach SCT [4]. Die Ergebnisse zeigen hohe Ansprechraten und eine signifikante Reduktion der Transfusionsabhängigkeit bei gleichzeitig überschaubarem Nebenwirkungsprofil. Dieser Übersichtsartikel fasst die wichtigsten Studienergebnisse sowie praxisrelevante Empfehlungen für die klinische Anwendung zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Literatur zu Daratumumab bei PRCA.
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Hämatologie
Therapie des Multiplen Myeloms bei älteren Patient:innen

Therapie des Multiplen Myeloms bei älteren Patient:innen

Das Multiple Myelom (MM) ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, bei der die Überlebensrate mit zunehmendem ­Alter abnimmt. Die Inzidenz von Myelomerkrankungen ist in den letzten Jahren insbesondere bei älteren Patient:innen deutlich gestiegen [1]. Gleichzeitig konnte durch die rasante Entwicklung der Therapielandschaft und den Einsatz neuer ­Substanzen und Therapien (bispezifische Antikörper, CAR-T-Zellen) eine dramatische Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) beim MM erreicht werden. Obwohl bei älteren im Vergleich zu jüngeren Myelom-Patient:innen häufiger ein höheres Internationales Staging System (ISS)-Stadium, eine schlechtere Nierenfunktion und eine Anämie vorliegen, haben insbesondere die älteren Myelom-­Patient:innen in den letzten Jahren wesentlich vom Einsatz neuer Substanzen profitiert [2]. Die Therapie älterer MM-Patient:innen erfordert jedoch besondere Vorsicht, da sie fragiler sind und eine höhere Anfälligkeit für Toxizitäten aufweisen.
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Hämatologie
DLBCL

DLBCL: Immunologische „Narbe“ besteht noch Jahre nach Behandlung

Krebserkrankungen hinterlassen einen immunologischen Abdruck, eine „Narbe“, die auch noch Jahre nach einer vollständigen Remission besteht. Forschende der Universität Erlangen zeigten anhand von Zellanalysen, Genexpressionsprofilen und Mausmodellen, dass beim diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) diese „Narbe“ aus einer hohen ­Anzahl an überwiegend monozytären myeloiden Suppressorzellen (M-MDSCs), erniedrigten Zahl unreifer T-Zellen und erhöhtem Interleukin-6 (IL6)-Level besteht. Das adaptive Immunsystem war anhaltend beeinträchtigt und die Impfreaktion in vitro abgeschwächt. Diese Veränderungen haben langfristige Konsequenzen: Sie können zu Komplikationen bei den Betroffenen führen und die Impfstrategie sowie die Wirkung von Immuntherapien beeinflussen.
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Prostatakarzinom
"Prostate cancer" steht auf einem Tabletbildschirm, daneben ein Stethoskop

Risikoadaptiertes Screening gegen Überdiagnostik beim Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist die häufigste maligne Tumorerkrankung des Mannes in Deutschland. Während ein Teil der Tumoren aufgrund ihres aggressiveren biologischen Verhaltens behandlungsbedürftig ist, ist von besonderer Bedeutung, dass rund 50% der detektierten Prostatakarzinome klinisch unbedeutsam sind und auch ohne Therapie keine klinische Manifestation zeigen würden. Ein opportunistisches, unstrukturiertes Testen des prostataspezifischen Antigens (PSA) führt daher häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Therapien. Die S3-Leitlinie 2025 empfiehlt erstmals die Einführung eines systematischen, risikoadaptierten Früherkennungsprogramms. Zentrales Element ist die Bestimmung eines Baseline-PSA-Werts im Alter von 45 Jahren. Ein PSA-Wert < 1,5 ng/ml definiert eine Niedrigrisikogruppe, bei der eine erneute Untersuchung erst nach 5 Jahren erforderlich ist. Bei PSA-Werten von 1,5-3,0 ng/ml werden zweijährliche Kontrollen empfohlen. Erst bei bestätigten PSA-Werten ≥ 3 ng/ml erfolgt ein strukturiertes Risikoassessment und – bei persistierendem Risiko – die Durchführung einer multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT). Die mpMRT verbessert die Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome und kann bis zu 70% unnötiger Biopsien vermeiden. Die digitale rektale Untersuchung (DRU) wird aufgrund ihrer geringen Sensitivität und Spezifität im Rahmen des Screenings nicht mehr empfohlen. Männer mit familiärer Belastung oder bekannten genetischen Risikovarianten benötigen ein früheres und engmaschigeres Früherkennungsprogramm. Ein wesentlicher Baustein zur Vermeidung von Übertherapie ist die Aktive Überwachung (Active Surveillance, AS). Niedrigrisiko-Tumoren (ISUP-Grad 1) sowie günstig-intermediäre Tumoren (ISUP-Grad 2 mit geringem Anteil an Gleason-Muster 4 und ohne cribriforme oder intraduktale Anteile) sollen bevorzugt aktiv überwacht werden. Langzeitdaten aus den Studien ProtecT und PRIAS zeigen unter strukturierter Überwachung eine extrem niedrige Metastasierungsrate sowie eine sehr geringe prostatakarzinomspezifische Mortalität und bestätigen damit die Sicherheit dieses Vorgehens. Insgesamt entsteht so ein präzisionsmedizinisches Screeningmodell, das Überdiagnosen reduziert, klinisch relevante Tumoren zuverlässiger erkennt und unnötige Therapien vermeidet – vorausgesetzt, die Qualität der mpMRT sowie die urologische Expertise sind flächendeckend gewährleistet.
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Hämatologie

Immunmodulatorische Metaboliten prädiktiv für die Outcomes nach alloSCT

Fünf immunmodulatorische Metaboliten des Darmmikrobioms waren prädiktiv für die Ergebnisse nach einer allo­genen Stammzelltransplantation (alloSCT) bei Patient:innen mit hämatologischen Neoplasien, wie unsere Studie zeigen konnte [1, 2]. Die 5 Metaboliten waren signifikant mit dem Gesamtüberleben (OS) und dem Rezidivrisiko 2 Jahre nach alloSCT verbunden. Ein daraus entwickelter Risiko-Index könnte zukünftig genutzt werden, um Mikrobiom-basierte, prädiktive Tests für das Ansprechen auf eine Immuntherapie zu entwickeln.
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Hämatologie
MDS bei jungen Erwachsenen: Seltene Entität mit besonderen Herausforderungen

MDS bei jungen Erwachsenen: Seltene Entität mit besonderen Herausforderungen

Myelodysplastische Neoplasien (MDS) sind klonale Erkrankungen der hämatopoetischen Stammzellen, die durch ineffektive Hämatopoese, Zytopenien und Dysplasien sowie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer akuten myeloischen Leukämie (AML) gekennzeichnet sind. Die Erkrankung betrifft vorwiegend ältere Erwachsene mit einem medianen Erkrankungsalter von ≥ 70 Jahren. Bei jüngeren Patient:innen unter 50 Jahren treten MDS deutlich seltener auf, weshalb für diese Altersgruppe nur wenige Daten vorliegen. Jüngere Patient:innen weisen jedoch häufig spezifische klinische, genetische und prognostische Besonderheiten auf. Gerade bei de novo diagnostizierten MDS in dieser Altersgruppe sollte eine umfassende genetische Diagnostik erfolgen, um mögliche Keimbahnmutationen zu identifizieren, wie sie im Rahmen hereditärer Prädispositionssyndrome vorkommen können. Solche genetischen Veränderungen können nicht nur die Prognose und das Ansprechen auf Therapien beeinflussen, sondern auch für die familiäre Beratung und das Spenderscreening im Rahmen einer allogenen Stammzelltransplantation (alloSCT) relevant sein.
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